Am Sonntag brach der 20-jährige Philippe von Bregenz auf nach Wien um ein Zeichen für AIDS und HIV zu setzen. Sein erster Halt war in Egg, wo ich ihn, mit seiner ganzen Crew traf und vorerst sah alles gestellt aus, alle waren hektisch und sehr unfreundlich, doch die Anspannung legte sich, als sie ihren 2. Werbespot im Kasten hatten. Ich setzte mich dann mit Philippe im Kässtadel zusammen und bekam gleich einiges zu hören.
Lisa: Wie war der Start bzw. der erste Tag deiner Strecke?
Philippe: Es war wirklich eine „zache“ Partie und der Regen hat wirklich an meinen Nerven und meiner Kraft gezerrt. Auf der Seebühne in Bregenz habe ich mich von meiner Familie und der Presse verabschiedet und bin dann los marschiert.
Lisa: Wie kamst du auf diese Idee?
Philippe: Ich absolvierte meinen Zivildienst bei der AIDS-Hilfe in Graz und kam dort zum ersten Mal in Kontakt mit HIV-Positiven. Eines Tages kam ein junger Mann dort an um seine Testergebnisse abzuholen. Er sah so aus, als würde er sein Leben lieben, es in jedem Moment auskosten und man konnte bestimmt super mit ihm feiern. Als er nach einer halben Stunde wieder aus der Tür kam mit der Nachricht, HIV- positiv zu sein, sah ich in seine Augen und die waren so leer und dann denkst du : „Verdammt, dass könnte ich sein.“
Lisa: Standen alle gleich hinter dir und deiner Idee?
Philippe: Es standen von Anfang an alle hinter mir, und haben mich tatkräftig unterstützt.
Lisa: Was erhoffst du dir durch diesen Marsch?
Philippe: Alle Leute sollen lernen mit AIDS umzugehen, auf zu passen, darüber zu reden und sich zu schützen. Natürlich ist das AIDS-Problem in Afrika schlimmer als hier in Österreich, aber ich finde, dass man zuerst hier etwas ändern muss. AIDS ist unheilbar, wenn die Jugend nicht mehr davon hört, wird die Krankheit niemals aussterben.
Lisa: Optimistisch, dass wir Österreicher zuhören?
Philippe: Kommt auf die Region drauf an, ich denke, je näher ich einer größeren Stadt bin, desto einfacher ist es.
Lisa: Wie sehen deine Tagesetappen aus und wie willst du auf die Leute zugehen?
Philippe: Ich habe eine fix geplante Route, jedoch ohne Unterkünfte und ohne Mahlzeiten, wobei ich hier auf die Hilfe der Leute zähle.
Ich werde versuchen, auf so viele Menschen wie möglich zu zugehen, Jugendliche an Bushaltestellen oder in den Schulen.
Lisa: Wie soll dich diese Reise verändern?
Philippe: Früher habe ich selten eine Sache bis zum Schluss durch gezogen und durch diesen Marsch will ich reifen, ich will mein Durchhaltevermögen stärken und daran wachsen.
Lisa: Was hast du für Eindrücke vom Bregenzerwald/Egg mitgenommen?
Philippe: Aufgrund des Wetters habe ich nicht viel von den Bergen gesehen, aber ich bin beeindruckt vom Wasser. So viel! So viele Wasserfälle hab ich gesehen, unglaublich. Und wenn die Nerven wegen dem strömenden Regen blank lagen, hat mich das Geräusch des Wassers immer wieder beruhigt.
Durch seine sympathische Art, entschied ich mich, am Montag die Strecke von Egg nach Au mit ihm zu gehen und war wirklich überrascht, wie zielstrebig Philippe ist. Wir machten einen Abstecher in die Wirtschaftsschulen Bezau, wo er herzlich aufgenommen wurde. Weiter ging es über die Schnepfegg nach Au, durch Nebel und Regen, wo sich unsere Wege wieder trennten.Philippe wird durch die ganze Strecke von einem 3-köpfigem Team begleitet, welches in medizinischen Notfällen bei ihm ist und alles digital verfolgt.
Weitere Infos unter: www.philippes-projekt.at
Oder auf seiner Facebook-Seite: Philippes Projekt
Lisa Schmidinger

ich wünsche deinem cousin ebenfalls ein würdiges und schmerzfreies ende. mir ist die geschichte gerade sehr zu herzen gegangen und bin sehr traurig, dass die leute noch immer so reagieren.
ich wünsche auch dir die kraft das ganze mit deinem cousin noch weiterhin durchzustehen! alles gute - ursula
Mit 19 (nach der Matura) ging er nach Spanien. Er war immer ein gut gelaunter, fröhlicher und unternehmungsfreudiger Typ.
Dort arbeitete er in verschiedenen Mandarinen-, Wein- und Olivenplantagen. Er kam mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Unter Anderem auch mit einem Mädchen, von dem er nicht wusste, dass sie den Aids-Virus in sich trug. Man wusste ja auch damals noch nicht viel über diese Krankheit und dessen Verlauf. Er hat sich also, mangels an Erfahrung und seiner Unbesonnenheit, nicht geschützt und sich so infiziert. Vorläufig passierte ja auch nichts, da er nur Träger des Virus war und Anzeichen einer Erkrankung erst Jahre danach auftreten können. So war es dann auch.
2 Jahre später zog er nach Südfrankreich, wo er in einigen Weinkellereien arbeitete, um sein Leben zu fristen. Das ging so weiter, bis er 26 Jahre alt war und er sich über eine längere Zeit nicht wohl fühlte. Erhöhte Temperatur, leichter Schweiß, ein unangenehm und permanenter Druck im Kopf waren vorerst in Erscheinung getreten. Nach etwa 4 Monaten, in diesem Zustand, suchte er einen Arzt auf, um sich untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse waren für diesen jungen Mann wie ein Todesurteil. „Sie haben Aids“, war die Antwort des untersuchenden Arztes.
Er kam dann wieder zurück nach Österreich und zog nach Wien, um dort aus falscher Scham in Anonymität weiter zu leben. In der Hoffnung, sein Leben, auf seine Krankheit einrichtend, so gut, wie nur möglich weiter zu leben. Er hatte für kurze Zeit eine Anstellung in einem Kindergarten, die er dann wieder aufgeben musste, da die Eltern nicht wollten, dass ein Aidskranker mit ihren Kindern in Berührung kommt, obwohl man inzwischen weiß, dass der Aidsvirus sich nur auf direktem Austausch des Blutes, bzw. durch eventuelle Fissuren beim Geschlechtsverkehr überträgt. Nicht über die Luft oder durch einfache Berührung. Aber die Angst ist eben größer, und, sicher ist eben sicher. Man wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er war für alle ein Aussätziger.
So erging es ihm bei jeder folgenden Anstellung. „Wir wollen nichts mit Aidspatienten zu tun haben“. So hieß es jedes Mal.
Selbst die Verwandten wichen ihm aus, wenn er einmal in ein paar Jahren zu Besuch war. Sie konnten es nicht verstehen, dass ich, oder einer meiner Jungs ihn zur Begrüßung umarmten. Ich habe versucht, sie nach bestem Wissen aufzuklären, und ihnen die Angst vor dem kranken Menschen, nicht aber vor der Krankheit selbst und deren Folgen, zu nehmen.
Die Krankheit nahm seinen Lauf und, obwohl er in ständiger Beobachtung seines Arztes war, begannen ihm Haare und Zähne auszufallen. Er magerte bis auf die Knochen ab. Jeder Schnupfen, jedes bisschen Fieber, erzeugten in ihm die Angst, seinem Ende nahe zu sein. Die Lebensfreude und der Lebensmut verschwanden.
Das ist das Leben meines Cousins.
Heute ist er 46 Jahre alt und nur noch ein Häufchen Elend, das auf sein Ableben wartet. Gemieden, einsam und verlassen in völliger Anonymität in einer Großstadt. Nur seine Mutter besucht ihn, wenn es ihm besonders schlecht geht, um ihn zu trösten und auf den permanenten Krankenhausaufenthalt und den Tod vorzubereiten.
Ich wünsche ihm kein langes Leben. Ich wünsche ihm einen würdigen, schmerzfreien und nicht einsamen Tod.
Der Aufruf Philippes an die Jugend, sich zu schützen finde ich sehr gut, denn es gib in unseren Regionen immer noch zu viel Ansteckung durch Gleichgültigkeit und Nichtwissen.
An alle Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, gilt sein Aufruf, sich damit auseinander zu setzen und präventiv an sich und dem Nächsten einzuwirken.
Bravo Philipp. Ich wünsche dir viel Erflog bei deinem Unternehmen!
Heiner R. 02.06.
Und wie nett du immer in die Kamera lächelst.
Da bleibt mir nur noch eines zu sagen: HABEDIEEHRE!