Junge Menschen aus sechs verschiedenen Alpennationen trafen sich vom 23. bis zum 26.02.2011 in Sibratsgfäll und starteten gemeinsam ihr Projekt My Clime Mate. Im Rahmen des Projekts, initiiert aus dem Gemeindenetzwerke «Allianz in den Alpen», widmen Jugendliche sich ein Jahr lang dem Thema Klimawandel im Alpenraum und setzen gemeinsame Klima-Aktionen um. In Vorarlberg sind das Große Walsertal, die witus-Gemeinden aus dem Hinteren Bregenzerwald und die energieregion vorderwald beteiligt.
Im Projekt „My Clime Mate“ geht es, wie der Name schon sagt, um die Themen Klima (engl. climate) und Kameradschaft (engl. mate): Die Alpenjugend wird als Klimabotschafter aktiv und baut in diesem transnationalen Kooperationsprojekt kulturelle Barrieren ab. Im Projekt finden kreative und sportliche Jugendaustausche zwischen 10 Allianz-Gemeinden von Regionen in Slowenien, Österreich, Italien, Liechtenstein, Frankreich und der Schweiz statt, die jungen Menschen setzen gemeinsam und eigenständig Klimaaktionen um.
Bei der Startveranstaltung in Sibratsgfäll vom 23. bis 26. Februar 2011 planten junge Menschen aus diesen sechs Alpenländern Begegnungen und Klima-Aktionen für kommenden Sommer. Dabei wurden sie tatkräftige durch ihre Regionen und das Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen» unterstützt. So ist zum Beispiel geplant, ein Musikvideo zum Thema Alpenraum und Klimawandel zu produzieren oder ein regionales Jugendfest als Green Event zu veranstalten, also mit möglichst geringem Individualverkehr, weniger Müll und fairen Produkten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Projekt soll Jugendliche ermutigen, im Umgang mit dem Klimawandel eigenverantwortlich zu handeln.
„Wenn unsere Jugendlichen bei einem Besuch hier in Vorarlberg die guten Busverbindungen auch spät am Abend erleben dürfen, werden sie sich dafür auch in unserer Regionen einsetzen“, ist ein Vertreter aus dem italienischen Friaul vom Lernerfolg eines gegenseitigen Besuchs überzeugt. Doch vor allem sind es mögliche neue Freundschaften über Länder- und Kulturgrenzen hinweg, die ein wirklicher Gewinn sind.
Pünktlich um 19 Uhr des Mittwochabends trafen sich die Beteiligten im Schulsaal der 400-Seelengemeinde und wurden von diversen politischen Vertretern begrüsst. Der folgende „Marktplatz“, an dem jede Region typische Produkte vorstellte, bot Möglichkeit zum ersten Austausch zwischen den Jugendlichen aus den sechs beteiligten Nationen. Ob Kraljevski sir (Schafskäse aus Slowenien), Pittine (gemischtes Fleischprodukt, geräuchert) aus Italien oder Wallnusspesto aus der Biosphäre Entlebuch, die Auswahl war vielfältig und zeigte das Potential der Alpenregionen auf.
Die rund vierzig Personen, davon zwanzig Jugendliche, erarbeiteten am Donnerstagmorgen in bilateralen Länderteams die ersten Eckpunkte ihrer Projekte. An Ideen fehlte es nicht, es galt jedoch die nachhaltigen davon weiterzuverfolgen: So zum Beispiel die Bevölkerung ganzer Regionen zum Verzicht torfhaltiger Pflanzenerde zu bringen, welche nicht nur die Zerstörung eines seltenen Lebensraumes, sondern zusätzlich grosse Mengen an klimaschädlichem CO2 freisetzt.
Eine Nachmittags-Exkursion nach Landenegg ließ die internationalen Gäste nachhaltige Energie live erleben: Unter Anleitung von Bürgermeister Georg Moosbrugger und seiner Tochter Vera machten sich die verschiedenen Gruppen im Dorf auf die Suche nach Beispielen ökologischer Bauweise oder klimaverträglichen Regionalprodukten. Resultate wurden im Anschluss in bis zu viersprachigen Sketch präsentiert.
Jugenddiskussion am Donnerstag, 24. Februar
„Ich will cool sein – auch mit Sonnenenergie! Ich will Öko – aber ohne Einschränkungen! Ich will cool sein – auch mit Elektrofahrrad!“
Nach einem eindrücklichen Inputreferat von Dominik Bartenstein, welcher in fünf Minuten und fünf Folien alle Ansprechgruppen mit „Was kann ich tun?“ aufrüttelte, diskutierten die Teilnehmenden eifrig, was zum Thema Klima bewegt. „Früher konnten wir von unseren Hausdächern in den Schnee springen“ so Alexander Rehm aus Sibratsgfäll nachdenklich-kämpferisch. Abschliessend hielt Gastgeber und Organisator Dietmar Bechter fest: „Wenn man Klimaschutz in die Hände der Jugendlichen legt, hat er das größte Potenzial, verwirklicht zu werden.“ Bleibt zu hoffen, dass das engagierte Arbeiten der Jugendlichen auch Erwachsene zu bewussterem Umgang mit Ressourcen bringen wird.
Im Mai war die schweizerische Gruppe für vier Tage in Slowenien. Die regionalen Wirtschaftskreisläufe, die Möglichkeiten erneuerbarer Energieformen und der nachhaltige Tourismus wurden thematisiert. Gemeinsam hat man eine Broschüre für Besucher des Riverrafting in der Gemeinde Bovec gestaltet. Diesen soll verdeutlicht werden, dass der türkisfarbene Fluss Soca keine Selbstverständlichkeit ist, sondern mit Sorgfalt genutzt werden soll. Beim Gegenaustausch in der Schweiz im September, wo auch die italienischen Jugendlichen dabei waren, wurden diese Themen weiter untersucht. Mit dem Teigwarenhersteller „Fidirulla“ aus Schüpfheim wurde die neue Pastalinie „Klimarönli“ lanciert. Aus regionalem Dinkel und energieschonend von Hand hergestellt sind diese nicht nur klimaschonend, sondern unterstützen gleichzeitig durch jede verkaufte Packung mit fünfzig Rappen einen Klimafonds, mit dem zwei Klimaprojekte in der Region Entlebuch ermöglicht werden. Besonders für die italienischen Teilnehmenden war diese Erfahrung unvergesslich, da die meisten zum ersten Mal selbst Pasta herstellten - nicht im typischen Pastaland, ihrem Zuhause, sondern in der Schweiz.
Ende Oktober fanden sich alle Jugendlichen und Betreuer in Sörenberg zum Abschlusstreffen ein. Die Gruppe aus dem italienischen Cimolais begeisterte mit ihrem Klimafilm aus eigener Regie und auch die anderen vier Nationen stellten die vielfältigen Resultate ihres Austauschs vor. Im Folgenden widmete man sich mit der Frage: „Und was nun?“ Denn die Jugendlichen wollen ihre Erkenntnisse aus diesem Projekt als Klimabotschafter in die Welt hinaustragen. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass das Umfeld von ihrer Arbeit erfahren muss, damit diese die gewollten Auswirkungen nach sich zieht. So entstand in Workshops eine Klimacharta mit Begleitbrief, welche man an die Autoritäten in den Gemeinden und Regionen schicken wird. Auch die Jugendlichen sollen sich weiterhin für das Thema engagieren. In Bovec (SLO) werden die Teilnehmenden eine Ausstellung zum Austausch und zur Thematik Klima organisieren, die Jugendlichen aus Österreich werden mit Schülern im Grossen Walsertal und im Bregenzerwald Klimatage durchführen. Die Gruppe aus der Schweiz wird im Entlebuch für torffreie Blumenerde sensibilisieren, die Teilnehmenden aus Frankreich mit einer Webseite die Öffentlichkeit informieren und in Italien wird mittels des Klimafilms die Botschaft des Projekts „My clime mate“ weitergetragen.
Gemeindenetzwerk "Allianz in den Alpen"
Das Gemeindenetzwerk "Allianz in den Alpen" ist ein Zusammenschluss von mittlerweile über 300 Gemeinden und Regionen aus sieben Staaten des Alpenraums und besteht seit 1997. Auf Basis der Alpenkonvention setzen die Mitglieder alles daran, gemeinsam mit ihren BürgerInnen den alpinen Lebensraum zukunftsfähig zu entwickeln. "Austauschen-anpacken-umsetzen" ist dabei der Leitgedanke. www.alpenallianz.org
aynAlp-climate
Mit dem Schwerpunkt Klima setzen sich derzeit viele Akteure und Akteurinnen auseinander. Leider werden zum Teil auch Maßnahmen ergriffen, die gegen das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung verstoßen und dem Naturschutz zuwider laufen. Dem Gemeindenetzwerk ist es deshalb besonders wichtig, seine Mitglieder bei einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel zu unterstützen. Mit dem neuen Programm dynAlp-climate werden die geeigneten Grundlagen dafür geschaffen. www.alpenallianz.de/projekte/dynalp-climate
Jugend in Aktion
Das EU-Programm Jugend in Aktion fördert Jugendbegegnungen, Jugendinitiativen sowie den Europäischen Freiwilligendienst. Es fördert Projekte der partizipativen Demokratie und Projekte mit benachbarten Partnerländern. Auch Trainings und Vernetzungsmaßnahmen sowie Begegnungen junger Menschen mit Verantwortlichen der Jugendpolitik erhalten Fördermittel von Jugend in Aktion. www.jugendinaktion.at

