Nachbericht Offline

„Wir waren dann mal kurz weg“, viel zu schnell sind die vier ereignisreichen und spannenden Tage in den Auen vergangen. Viel erlebt, viel gelernt, viele neue Freunde gefunden und jede/r hat andere Augenblicke oder Situationen, die er/sie nie vergessen wird.

„Versuche eins mit der Natur zu werden“, „Bin gespannt, ob man das alles essen kann“, „Versuchen, stark in der Gruppe zu sein“, „Lernen, dass es in der Gruppe besser geht und Hobbyrambos nicht weiter kommen“, das waren nur ein paar Erwartungen der Teilnehmer an die Tage in den Auen.

 

Der Anfang

Am Freitag, 12. August um 07:00 Uhr trafen sich alle Teilnehmer beim Impulszentrum Egg, um ins Abenteuer zu starten. Zum ersten Mal sahen auch alle Jugendlichen, mit wem sie die nächsten vier Tage auf engem Raum verbringen würden. Mit großen Erwartungen und einem etwas komischen Gefühl im Magen machten sich alle Teilnehmer auf den Weg in den Sutterlüty, wo sie eine Einkaufsliste bekamen und es ihre Aufgabe war, das Essen für die vier kommenden Tage einzukaufen.

Dann ging es los, mit drei Autos fuhren die acht Jugendlichen sowie Ourdoorpädagoge und Projektleiter Martin Waldner und Philipp und Sarah von der OJB in Richtung Schetteregg und dann in die Auen. Nur wenige in der Gruppe kannten die Auen oder waren schon einmal dort. Für alle anderen war die großartige Landschaft komplettes Neuland.

Der 1. Tag im Camp

Als erstes ging es daran, das Lager auf Vordermann zu bringen, die Zelte aufzustellen, ein Feuer zu machen und Wasser zu holen. Schnell stellte sich heraus, wer welche Talente hat und wer welche Aufgaben gerne macht. So war es von Anfang an die Aufgabe von Niklas und Max, zum Rösele (Bäuerin der benachbarten Alpe) zu laufen, um Wasser und Milch zu holen.

Nach einer zünftigen Jause zum Mittagessen machten wir einen kurzen Rundgang durch die Auen, um unser Gebiet, in welchem wir die nächsten vier Tage lang zu leben hatten, etwas besser kennenzulernen. Von einem imposanten Wasserfall bis hin zu einem riesigen smaragdgrünen See reichte die Palette an Naturschauplätzen.

Nach der etwas längeren Wanderung durch die Auen hatten alle Beteiligten Hunger. Am ersten Tag wurde gleich tief in die Trickkiste gegriffen und Martin Waldner erklärte der Gruppe, wie man selbst einen Brotofen bauen konnte. Es blieb allerdings nicht bei der Erklärung, das neuerlangte Wissen wurde sogleich in die Tat umgesetzte. Insgesamt drei Stunden dauerte es, bis der Ofen fertig gebaut, beheizt, der Brotteig gemacht und schlussendlich im Ofen gebacken wurde.

In der Zwischenzeit wurde ein „Fleisch in der Grube“ hergestellt, ein großes Stück Fleisch wurde kurz angebraten, in Hutblätter eingewickelt, auf und unter heiße Steine gelegt und mit Gemüse vergraben. Nach gut 45 Minuten wurde alles wieder ausgebuddelt und ein wahres Festessen wartete auf alle Teilnehmer.


Bevor sich am Abend alle in die Zelte oder selbstgebauten Hütten verkrochen, wurde am Lagerfeuer noch etwas gechillt. Mit witzigen Spielen und einer Tafel Schokolade für 11 Personen nahm der erste Tag sein Ende.

Der 2. Tag im Camp

Am Morgen ging es früh los, um Punkt 07:30 Uhr warf Martin alle Jugendlichen aus den Federn. Drei der Teilnehmer (darunter zwei Mädchen) trauten sich am Morgen mit Martin ins wirklich eiskalte Wasser der Subersache, um sich zu waschen und frisch in den Tag zu starten.

Nach dem Frühstück standen Gruppendynamikspiele auf dem Programm, die Gruppe musste versuchen, verschiedene Aufgaben zu lösen. Besonders das Spinnennetz, welches gemeinsam bewältigt werden musste, fand bei den Jugendlichen großen Anklang. Die Aufgaben konnten ausschließlich im Team bewältigt werden und somit fand die Gruppe allmählich zusammen.

Zu Mittag gab es wie jeden Tag eine kleine Jause, bestehend aus Landjäger, Wienerle, Brot, Käse und Äpfel. Mit großen Erwartungen starteten drei Teilnehmer, Fischer Konrad Broger und Philipp Heidegger in eine vierstündige Fischertour von den Auen bis nach Schönebach. Die im Camp verbliebenen Jugendlichen hatten die große Aufgabe, einen peruanischen Hirtenofen zu bauen, was sich von Anfang an als große Herausforderung herausstellte. Die Motivation am zweiten Nachmittag war nicht mehr ganz so groß wie am ersten Tag und daher dauerte der Bau etwas länger.

Fünf Stunden später und mit drei Fischen im Gepäck kamen die fünf Fischer erschöpft zurück ins Lager, wo es allerdings gleich mit der Arbeit weiterging. Teamwork war gefragt, um das Essen rechtzeitig fertig zu stellen. Um die Motivation der einzelnen Jugendlichen wieder etwas zu steigern, konnten alle Jugendlichen eine von Martin vorbereitete und begleitete Schluchtüberquerung machen, die so manche/n an seine/ihre Grenzen trieb.

Abgesehen von den Fischen und Pilzen, die am Nachmittag gesammelt oder gefangen wurden, gab es noch Gemüse und Hähnchen aus dem Ofen zum Abendessen.

Am zweiten Abend stand eine kurze Reflexionsrunde auf dem Programm. Jede/r Teilnehmer/in konnte ansprechen, was ihm/ihr am Camp gefiel, aber auch, was ihn/sie störte. Alle kamen etwas aus sich heraus und trauten sich, den anderen gewisse Dinge mitzuteilen. Martin Waldner moderierte die Runde und somit wurden einige Punkte herauskristallisiert, die für die kommenden beiden Tage enorm wichtig waren.

Danach zeigte Martin den Jugendlichen das „Werwolfspiel“, welches so süchtig machte, dass wir die Zeit vergaßen und es etwas später wurde, bis alle im Bett/Zelt waren.

Der 3. Tag im Camp

Der dritte Tag fing etwas schleppend an, da alle Teilnehmer die Muskeln spürten und niemand zur vereinbarten Zeit aufstand. Nichtsdestotrotz musste Frühstück gemacht werden. Am Vormittag stand ein Orientierungslauf auf dem Programm, die Gruppe wurde in zwei Teams aufgeteilt. Team 1 überlegte sich Aufgaben und eine Route und Team 2 musste versuchen, die gestellten Aufgaben zu lösen und alle Hinweise zu finden. Die Jagd sorgte für viel Spaß, aber auch für Gesprächsstoff, da nicht alle Aufgaben erfüllt werden konnten.

Nach dem verspäteten Mittagessen ging es wieder ans Tun, eine Schwitzhütte wurde angefertigt. Eine Schwitzhütte ist eine Art Natursauna, welche nach einer speziellen Konstruktion mit Ästen angefertigt wird. Jeder freute sich darauf, da sich niemand so richtig etwas darunter vorstellen konnte. Martin erklärte nebenbei ein paar Rituale der Schwitzhütte und was sie zu bedeuten hatten.

Eine Gruppe baute einen Funken, um die Steine für den Aufguss richtig zu temperieren. Die andere Gruppe baute in der Zwischenzeit die Schwitzhütte und bereitete das Abendessen zu. Nach Spaghetti Bolognese, welche direkt über dem Feuer gemacht wurden, wurde der Funken angezündet. Nach etwa einer Stunde konnten sich die ersten Jugendlichen in der Hütte aufwärmen und richtig schwitzen. Mit selbstgesammeltem Pfefferminz einen Aufguss zu machen, ist ein Erlebnis, welches mit Sicherheit kein Teilnehmer so schnell mehr vergessen wird.  

Leider spielte das Wetter in der letzten Nacht nicht mehr so ganz mit. Die Schleusen des Himmels öffneten sich und der Regen nahm Überhand. Es wurde etwas hektisch, da die Schwitzhütte fünf Minuten vom Lager entfernt war. Die ersten schafften es rechtzeitig und halbwegs trocken ins Lager zu kommen, die Letzten in der Schwitzhütte mussten sich nach dem Schwitzen nicht mehr waschen, das erledigte der Regen. Der Regen stoppte die ganze Nacht nicht, somit erklärten sich zwei Jugendliche aus dem Camp selbst zu den Hütern der Nacht und versuchten, das ganze Wasser von den Zelten fern zu halten und das Feuer nicht ausgehen zu lassen.

Der 4. Tag im Camp

Nach einer lebhaften und ereignisreichen Nacht durften alle etwas länger schlafen. Nach dem Frühstück war aufräumen angesagt, es wurde alles zusammengepackt und in den Autos verstaut. Beim etwas unkonventionellen Mittagessen, Schokolade-Bananen, wurden die vergangen Camptage nochmals besprochen und analysiert.

Am Nachmittag konnte schließlich die Heimreise angetreten werden. In Egg City angekommen, verabschiedeten sich alle Teilnehmer sowie Begleiter voneinander.

Was habe ich gelernt?

„In der Gruppe geht es besser“, „Wenn man etwas anspricht, was man denkt, wird das Problem meistens gelöst“, „die Zusammenarbeit klappt besser, wenn jeder weiß, was der andere denkt“, „ In der Natur gibt es mehr zu sehen, als man eigentlich denkt“, „genau hinschauen und genau zuhören lohnt sich in der Natur“, „Eigeninitiative zeigen lohnt sich und die anderen sind nicht böse“, „Sich zu überwinden, etwas zu tun, das man zuhause nicht tun würde, ist ein gutes Gefühl“, dies sind nur einige Statements der Teilnehmer nach Beendigung des Camps.

Die Jugendlichen konnten lernen, über ihre Grenzen hinauszugehen und Erfahrungen machen, die sie im alltäglichen Leben nicht machen können. Viele neue Fähigkeiten und Fertigkeiten konnten erlernt werden. Weiters wurde bei dem Projekt deutlich, dass Altersunterschiede bei Teamprojekten keine Rolle spielen. Außerdem gaben die Jugendlichen die Rückmeldung, dass sie die Erfahrung machen konnten, dass vier Tage ohne Handy, Facebook und Technik durchaus auszuhalten sind.

Wer war eigentlich alles dabei?

  • Elisabeth Mohr, 19 Jahre, Andelsbuch
  • Hannah Dorner, 19 Jahre, Egg
  • Johannes Fink, 16 Jahre, Schwarzenberg
  • Luca Petritsch, 21 Jahre, Schwarzach
  • Maximilian Isenberg, 14 Jahre, Egg
  • Niklas Schwärzler, 15 Jahre, Egg
  • Gabriel Felder, 15 Jahre, Egg
  • Kevin Reinprecht, 17 Jahre, Schwarzenberg

Projektleitung:

  • Martin Waldner, Bizau
  • Philipp Heidegger, Egg
  • Sarah Berchtold, Schwarzenberg  

Danke

Ein großer Dank gilt in erster Linie Projektleiter Martin Waldner, der es sehr gut verstanden hat, die Gruppe zu motivieren, zu fordern, zurechtzuweisen und doch immer wieder zu Höchstleistungen zu bewegen. Er konnte der Gruppe sehr gut vermitteln, welche Werte in der Natur aber auch im normalen Leben wichtig und von Bedeutung sind, um in der Gruppe zusammenzuarbeiten und ein Team zu sein.

Ein weiterer Dank gilt dem Rösele und Bruno, die uns erlaubten, den Platz in den Auen vier Tage lang zu unserem Zuhause zu machen und die uns immer mit Wasser und frischer Milch versorgten.

Außerdem danken wir den Sponsoren des Projektes STRESSless, der Raiffeisenbank Mittelbregenzerwald sowie der Sparkasse der Gemeinde Egg, ohne deren Unterstützung auch diese vier Tage nicht möglich gewesen wären.

Und zu guter letzt gilt ein großer Dank den acht Jugendlichen, die bewiesen haben, dass auch Jugendliche Interesse an der Natur haben, die ihre eigenen Grenzen überwunden haben und vier Tage lang nahezu ohne Probleme in einer Gruppe zusammengelebt haben.

Auch wir konnten viel von euch lernen!

Fotos OJB

Fotos Johannes

Medienberichte

Am 24. August berichtete die NEUE in ihrer Tageszeitung über das Projekt.
Den ausführlichen Zeitungsbericht findest du hier...

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